Sommersonnenwende Litha 21. Juni 2021

Die Sommersonnenwendezeigt an, dass die Sonne ihren Wendepunkt erreicht hat. Es ist der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Auf der Nordhalbkugel steht die Vegetation in voller Blüte. Kräuter und saftige Gräser wachsen in Hülle und Fülle. Die Früchte an den Bäumen und auf den Feldern reifen und gedeihen. Es wird höchste Zeit, Mutter Erde und ihre Pracht ausgelassen zu feiern.

Die Tradition der Sommersonnenwendefeier gehört wohl zu den ältesten überlieferten Feiertagen überhaupt. Bereits in der Steinzeit wurde der Zeitpunkt der Sommersonnenwende bestimmt. Ein Zeugnis hierfür ist das 7000-4800 Jahre alte Sonnenobservatorium in Goseck/Sachsen-Anhalt. Viele Kultstätten der Steinzeit wurden auch nach dem Sonnenstand dieses Tages ausgericht, z.B. die Felsengrotte auf dem Gipfel der Externsteine. Bezüge zum längsten Tag des Jahres werden auch in der berühmten Felsanlage von Stonehenge (ca. 3100 v. Chr.) in Großbritannien oder auf der berühmten Himmelsscheibe von Nebra ( ca. 1600 v. Chr.) vermutet.

Unsere keltischen Vorfahren (bis ca. 50 v. Chr.) feierten ihre Sommersonnenwende als 12-tägiges Fest mit ekstatischem Tanz bis zum Morgengrauen. Da sie angeblich nie eine Gelegenheit ausließen, um in erotisch-sexuelle Ekstase zu geraten, wurde dieses Mittsommerfest als Fruchtbarkeitsfest begannen. Bei den Germanen hatte selbst noch im Mittelalter der sogenannte „Sunnwendfeuertanz“ eine große Bedeutung. 

Zu Zeiten der fortschreitenden Christianisierung versuchte die katholische Kirche die heidnischen Traditionen abzuschaffen. Einige sehr beliebte Bräuche mussten sie trotzdem mit geänderter Sinnhaftigkeit übernehmen. So stand das Sonnenwendfeuer nun für Jesus Christus. Am Abend der Johannisnacht gab es auf dem Dorfplatz oder auf Anhöhen die sogenannten Johannisfeuer mit dazugehörigem Feuerspringen.

In der ganzen Geschichte war dieser Tag als einer der kraftvollsten des Jahres für spirituelles Wachstum und Heilung bekannt. Es war eine Zeit der Feuerbräuche: Sonnenräder formen, ein brennendes Holzscheit über den Kopf wirbeln, brennende Fässer tragen, brennende Räder den Hügel hinuntertreiben, Feuerlaufen oder auch über die magische Asche laufen. Opfergaben wurden dem Feuer zum Verzehr angeboten: Blüten, Kräuter, Gewürze und Früchte. Nur mit dem Sonnwendgürtel bekleidet, einem Kranz in den Haaren und Eisenkraut in der Hand wurde durch die Flammen gesprungen. Die Asche der Sommersonnenwendfeuer verteilten sie auf die umliegenden Felder .

Einige der bekanntesten magischen Kräuter/Johanniskräuter dieser Zeit waren und sind:             

Johanniskraut: Sie galt sie als „Heilige Pflanze“, die ins Mittsommerfeuer geworfen wurde. Über Türen und Häuser aufgehängt, gab sie Schutz. Sie sollte die Nerven beruhigen und Licht in die Seele bringen.             

Kamille: Als „Mutterkraut“ reinigte man damit das Wochenbett.                                 

Quendel:  wurde der Freya geweiht und im Wochenbett unters Kopfkissen gelegt. Die Slawen nannten es „Seelchen der Mutter“.                                

Beifuss: Dieses heilsame Frauenkraut ins Feuer geworfen, ließ eine violette Flamme entstehen, durch die man springen konnte.                                                                     

Arnika: wurde um die Felder gesteckt, um diese vor Dämonen zu schützen.  

Holunder: weihten unsere Vorfahren der Göttin Holle und der Liebe. Diese mächtige Heilpflanze fehlte in keiner Bauernapotheke.

Stein- und Eisenkraut: verlieh als ein heiliges Kraut dem Menschen die Gabe, Dinge in einem klaren Licht zu sehen. Sie hängten es zum Schutz vor dem bösen Blick auf. Zum Schutz vor dem Donner steckten unsere Vorfahren diese magische Pflanze rund um die Felder. Die Schmiede nutzten das Eisenkraut zum Härten. Es sollte außerdem die Liebe zum „Glühen“ bringen.

Schafgarbe: als die „Augenbraue der Venus“ wurde ebenfalls als eine der wichtigsten Frauenheilkräuter verehrt.

Die Rituale zum Mittsommerfest  werden auch in der heutigen Zeit immer beliebter. Einige Ideen hierfür sind: 

  • Singe, tanze, trommle und feiere in einer Gemeinschaft.  Ehrt das Licht in Form des Feuers, indem ihr ein Lagerfeuer entzündet und jauchzend darüber springt. Auch als einzelne Person kannst du mit einer Kerze oder einer kleinen Feuerschale dem Feuerelement huldigen. Teile und verschenke Dankbarkeit & Fülle. 
  • Diese Zeit eignet sich auch besonders für Loslassrituale: Schreibe auf kleine Zetteln, was dich blockiert und hindert deine Träume zu verwirklichen. Übergib die Zettel den Flammen und lasse diese Aspekte hinter dir. Visualisiere nun, was du in deinem Leben neu entfachen möchtest.
  • Du kannst auch einen Ritual Tag der Fülle, der Heilung, der Liebe und des Friedens gestalten: morgens zum Sonnenaufgang mit einer (Geh-)Meditation starten, dich mit Mutter Erde verbinden, Sommerkräuter sammeln und z.B. daraus Räucherbündel binden, Blumenkränze flechten, einen Holunderblüten-Cocktail genießen… 

Ich wünsche dir hierfür die Wärme und die Heilkraft der Sommersonne.